Krankenkassen
Kassen lassen erstmals das Dunkelfeld des Abrechnungsbetrugs erforschen
Der GKV-Spitzenverband hat eine kriminologische Studie zu Betrug und Fehlverhalten im Gesundheitswesen in Auftrag gegeben. Die Kassen vermuten Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe, Ergebnisse soll es 2029 geben.

Die gesetzlichen Krankenkassen wollen erstmals systematisch ermitteln lassen, wie groß die Schäden durch Abrechnungsbetrug und anderes Fehlverhalten im deutschen Gesundheitswesen tatsächlich sind. Der GKV-Spitzenverband hat dazu eine kriminologische Dunkelfeldstudie in Auftrag gegeben, die am 1. Oktober 2026 begonnen hat und zweieinhalb Jahre laufen soll. Das Vorhaben wurde in dieser Woche durch einen Bericht des ARD-Magazins Report Mainz breiter bekannt; Ergebnisse werden um den April 2029 erwartet.
Kassen springen für die Politik ein
Geleitet wird die Untersuchung von den Rechtswissenschaftlern Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Ralf Kölbel von der Ludwig-Maximilians-Universität München, die nach einem europaweiten Vergabeverfahren den Zuschlag erhielten. Neben einer Bestandsaufnahme soll die Studie auch Gegenmaßnahmen empfehlen. Der Verwaltungsrat des Spitzenverbands hatte das Projekt im Juni 2025 beschlossen. Der Verband begründet den Schritt damit, dass die Bundesregierung über Jahre nicht tätig geworden sei, obwohl die Justizminister der Länder und Vertreter der Kriminalpolizei eine solche Erhebung seit Längerem gefordert hätten.
Schätzungen weit über dem bekannten Schaden
Bisher erfassen weder die Polizeiliche Kriminalstatistik noch der regelmäßige Fehlverhaltensbericht der Kassen das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen. Die Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten bei Kranken- und Pflegekassen arbeiten seit mehr als 20 Jahren; die von ihnen nachgewiesenen Schäden liegen jährlich im dreistelligen Millionenbereich. Die Kassen gehen jedoch davon aus, dass der wahre Schaden deutlich höher ist.
Internationale Studien halten es für möglich, dass das Dunkelfeld fünf bis zehn Prozent der Gesundheitsausgaben ausmacht. Übertragen auf Deutschland ergäbe sich ein zweistelliger Milliardenbetrag. Die Kassen verweisen zudem auf ein britisches Forschungsteam, das Betrugskosten seit 1988 weltweit auswertet; angewandt auf die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung von mehr als 350 Milliarden Euro im Jahr käme man auf über 20 Milliarden Euro. Der Spitzenverband betont selbst, dass es sich um Schätzungen handelt und nicht um gemessene Größen. Vorstandsmitglied Martin Krasney erklärte, Ziel sei es, die tatsächliche Höhe der Schäden in Deutschland zu kennen; Geld, das durch Fehlverhalten verloren gehe, fehle in der medizinischen und pflegerischen Versorgung.
Forderung nach Datenbank und KI-Analysen
Parallel verlangen die Kassen vom Gesetzgeber erweiterte Befugnisse. Ihre Fehlverhaltensstellen sollen Daten kassenübergreifend zusammenführen und mustergestützt, auch mithilfe künstlicher Intelligenz, auswerten dürfen. Zudem fordert der Spitzenverband eine gemeinsame Datenbank zur Betrugsprävention mit Übermittlungsrechten für alle an Zulassung und Abrechnung beteiligten Stellen. Eine Reaktion der Bundesregierung auf die Studie ist bislang nicht bekannt.
Die Debatte fällt in eine Phase, in der die Effizienz der Kassen ohnehin auf dem Prüfstand steht. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hält deutlich weniger Krankenkassen für ausreichend. Der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands, Oliver Blatt, lehnte erzwungene Fusionen in dieser Woche ab und verwies darauf, dass der Anteil der Verwaltungskosten bei rund vier Prozent liege. Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sprach sich dafür aus, gewachsene Strukturen kritisch zu überprüfen, ohne die Wahlfreiheit der Versicherten aufzugeben.
Quellen
AbrechnungsbetrugDunkelfeldstudieGesundheitswesenGKV-SpitzenverbandKrankenkassen
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz auf Grundlage der genannten Quellen erstellt. Mehr dazu in unseren Redaktionsgrundsätzen.



