Verkehrsministerkonferenz
Länder verlangen mehr Geld für Regionalzüge und prüfen Ticket für Gelegenheitsfahrer
Die Verkehrsminister der Länder beraten ab Mittwoch in Hohenschwangau über steigende Schienenmaut und drohende Zugstreichungen. Auf der Tagesordnung steht auch ein bundesweiter Tarif für Gelegenheitsnutzer.

Die Verkehrsminister der Länder kommen am Mittwoch und Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau zu ihrer Herbstkonferenz zusammen. Im Mittelpunkt steht die Finanzierung des Regionalverkehrs auf der Schiene, der durch steigende Trassenpreise unter Druck gerät. Daneben wollen die Ressortchefs nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP über Regionalisierungsmittel, Niedrigwasser in deutschen Flüssen, autonomes Fahren und ein bundesweites Ticket für Gelegenheitsfahrer beraten. Für Donnerstagmittag ist eine Pressekonferenz geplant, an der auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) teilnehmen soll.
Schienenmaut steigt schneller als Bundesmittel
Eisenbahnunternehmen zahlen für die Nutzung des Netzes Trassenpreise an die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO. Für Nahverkehrszüge sollen diese Entgelte 2027 um 7,7 Prozent steigen, für 2028 ist ein weiterer kräftiger Anstieg angekündigt. Die Regionalisierungsmittel, mit denen der Bund den Ländern den Nahverkehr mitfinanziert, wachsen dagegen nur um drei Prozent pro Jahr. Auslöser der Entwicklung ist unter anderem ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom März 2026, das eine Preisbremse für den Schienenpersonennahverkehr kippte. Hinzu kommen steigende Kosten für die Sanierung der Bahnanlagen.
Nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen fehlen den Ländern 2027 rund 400 Millionen Euro, wenn sie keine Verbindungen abbestellen wollen. Bis 2031 benötigen sie laut einer Bund-Länder-Kommission rund 14 Milliarden Euro zusätzlich, um das bestehende Angebot zu halten. Regionalzüge und S-Bahnen beförderten 2025 rund 2,8 Milliarden Fahrgäste, etwa zwei Prozent mehr als im Vorjahr.
Länder werfen dem Bund Untätigkeit vor
Der Konferenzvorsitzende, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), verweist auf Mehrkosten von acht Prozent, die sein Land im kommenden Jahr auffangen müsse. Nach 2028 werde es auch in Bayern schwierig. Ein Gesprächswunsch an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sei abgelehnt worden. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hält dem Bund vor, zu lange abgewartet zu haben. Sein Land werde 2027 keine Züge streichen, auf Dauer könne aber kein Land die Last allein tragen. Schleswig-Holsteins Ressortchef Claus Ruhe Madsen (CDU) schlägt vor, investitionsbedingte Infrastrukturkosten direkt aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren statt über die Trassenpreise, und bringt eine verfassungsrechtliche Überprüfung ins Gespräch.
Die Beschlussvorlagen der Länder sehen höhere Regionalisierungsmittel, eine vollständige Übernahme der durch das EuGH-Urteil entstandenen Mehrkosten durch den Bund und eine Überarbeitung des Trassenpreissystems vor. Der Koalitionsvertrag sieht eine Reform der Trassenpreise vor. Spielraum für zusätzliches Geld sieht die Bundesregierung nach Agenturberichten jedoch nicht.
Bezahlen nach Strecke mit Preisdeckel
Nordrhein-Westfalen und Hamburg wollen zudem einen bundesweiten digitalen Tarif für Menschen anstoßen, die Bus und Bahn nur gelegentlich nutzen. Fahrgäste sollen ihre Fahrt per Smartphone beginnen und beenden und nur die tatsächlich gefahrenen Strecken bezahlen, eine monatliche Obergrenze soll die Kosten auf das Niveau des Deutschlandtickets begrenzen. Vorbild ist das nordrhein-westfälische Angebot eezy.nrw. Der Antrag sieht zunächst eine Arbeitsgruppe vor, die Preisgestaltung und Voraussetzungen klären soll. Finanzierung und Zeitplan sind offen. Das Deutschlandticket selbst kostet derzeit 63 Euro im Monat und steigt zum 1. Januar 2027 auf 66,80 Euro.
Quellen
DeutschlandticketNahverkehrRegionalisierungsmittelRegionalverkehrTrassenpreiseVerkehrsministerkonferenz
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