Tankrabatt
Tankrabatt nach zwei Wochen: Ökonomen sehen Lücke, Mineralölbranche widerspricht
Laut DIW kommt nur rund zwei Drittel der Steuersenkung an den Zapfsäulen an, mit sinkender Tendenz. Ifo und Kartellamt sehen eine kleinere Lücke, die Branche verweist auf gestiegene Einkaufspreise.

Gut zwei Wochen nach Einführung des Tankrabatts gehen die Einschätzungen darüber auseinander, wie viel der Steuersenkung bei den Autofahrern ankommt. Nach dem Tankrabatt-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erreicht nur rund zwei Drittel der Senkung um 16,7 Cent je Liter die Kunden, mit abnehmender Tendenz. Die Mineralölwirtschaft hält dagegen, ihre Markentankstellen gäben die Entlastung vollständig weiter.
DIW: Weitergabe lässt bereits nach
Das DIW vergleicht die Preisentwicklung in Deutschland mit Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt. Seit dem 1. Oktober sind die Preise hierzulande demnach im Schnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als im Nachbarland. In den ersten Tagen betrug der Abstand rund 12 Cent, beim Diesel bis zu 13,6 Cent. Seit dem 8. Oktober liegt er im Mittel nur noch bei etwa 9 Cent. Beim Tankrabatt im Frühjahr habe die Weitergabe erst gegen Ende nachgelassen, diesmal bereits in den ersten beiden Wochen.
Das Ergebnis hängt vom gewählten Vergleichstag ab. Das DIW rechnet mit dem 30. September. Legt man den 27. September zugrunde, ergibt sich eine Weitergabe von mehr als 80 Prozent, weil die Preise in Deutschland schon Ende September stärker gefallen waren als in Frankreich. Am rückläufigen Trend ändere das nichts, erklärte der Wettbewerbsökonom Tomaso Duso. Er sieht deutliche Hinweise auf schwachen Wettbewerb bei Raffinerien und im Großhandel und fordert das Bundeskartellamt auf, seine Untersuchungen auf diesen Stufen konsequent fortzusetzen.
Ifo und Kartellamt mit abweichenden Befunden
Das Ifo-Institut kommt für den Zeitraum vom 7. bis 13. Oktober zu höheren Werten: Bei Super E10 seien 13 Cent weitergegeben worden, bei Super E5 14,7 Cent und bei Diesel 13,5 Cent. Eine Lücke bleibe dennoch, besonders schwach sei die Weitergabe am Wochenende des 10. und 11. Oktober gewesen. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sieht die Entlastung auf Raffinerie- und Großhandelsebene weitgehend, aber nicht vollständig weitergegeben. Bei Benzin sei die Lücke größer als bei Diesel, für eine abschließende Bewertung sei es jedoch zu früh.
Branche verweist auf gestiegene Einkaufspreise
Der Branchenverband en2x erklärt, die Tankstellen seiner Mitgliedsmarken gäben die Steuersenkung vollständig weiter. Seit dem 30. September seien jedoch die Weltmarktpreise für E10 um etwa 5 Cent je Liter gestiegen und hätten die Einkaufskosten erhöht. Ohne den Rabatt lägen die Preise an den Zapfsäulen nach Verbandsangaben um rund 17 Cent höher.
Nach Daten des ADAC kostete ein Liter E10 am 14. Oktober im Tagesdurchschnitt 2,146 Euro und damit etwa 3 Cent mehr als am ersten Tag des Rabatts. Diesel lag bei 2,255 Euro und damit minimal unter dem Wert des ersten Tages. Im EU-Vergleich hatte Deutschland nach Kommissionsdaten vom 12. Oktober trotz Rabatt den vierthöchsten Durchschnittspreis für E10 und den sechsthöchsten für Diesel. Ende September lag es noch auf Rang drei beziehungsweise vier.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte bereits vor dem Start am 1. Oktober gewarnt, der bis Jahresende geltende Rabatt dürfe nicht wie im Frühjahr nur teilweise ankommen. Er verlangte eine enge Überwachung durch das Bundeskartellamt und sprach sich für künftig zielgenauere Hilfen für besonders betroffene Haushalte aus.
Quellen
BundeskartellamtDIWKraftstoffSpritpreiseTankrabatt
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