Versorgungssicherheit
Netzagentur vergibt erste Kraftwerkszuschläge, Stromkunden sollen ab 2031 zahlen
Elf Gebote mit rund 5.160 Megawatt haben den Zuschlag erhalten, der Preis blieb deutlich unter dem Höchstwert. Wie hoch die Umlage für Stromkunden ausfällt, ist noch offen.

Die Bundesnetzagentur hat am 3. November 2026 die Ergebnisse der ersten Ausschreibung für sogenannte Langzeitkapazitäten nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz veröffentlicht. Elf Gebote mit zusammen rund 5.160 Megawatt reduzierter Leistung erhielten den Zuschlag. Die Anlagen sollen spätestens ab 2031 gesicherte Leistung liefern, wenn Wind und Sonne nicht genug Strom erzeugen. Finanziert werden soll das über eine Umlage für Stromkunden.
Starker Wettbewerb, niedrigerer Preis
Ausgeschrieben waren 4.500 Megawatt. Bis zum Gebotstermin am 8. September gingen 41 Gebote über rund 11.958 Megawatt ein, sieben wurden wegen fehlender Angaben oder Nachweise ausgeschlossen. Dass die vergebene Menge über dem Volumen liegt, erklärt die Behörde damit, dass auch das Gebot bezuschlagt wurde, das die Grenze als erstes überschritt.
Der mengengewichtete durchschnittliche Zuschlagswert liegt bei 155.296 Euro je Megawatt und Jahr, der Höchstwert lag bei 244.000 Euro. Nach einem Bericht der Fachseite Denkstrom reichten die erfolgreichen Gebote von 129.551 bis 189.970 Euro. Behördenpräsident Klaus Müller führt die vergleichsweise niedrigen Werte auf den intensiven Wettbewerb zwischen Kraftwerken und Speichern zurück und wertet das Ergebnis als ersten wichtigen Schritt für eine langfristige und kosteneffiziente Absicherung der Stromversorgung.
Wer die Zuschläge erhielt
Regional entfallen rund 2.118 Megawatt auf Nordrhein-Westfalen, 1.819 auf Brandenburg, 910 auf Sachsen, 269 auf Bayern und 45 auf Baden-Württemberg. Nach dem Denkstrom-Bericht gingen drei Zuschläge an RWE, sechs an die Lausitz Energie Kraftwerke AG (Leag), je einer an das Gaskraftwerk Leipheim und die Stadtwerke Karlsruhe. Die Betreiber werden für die Bereitstellung der Kapazität bezahlt, auch wenn die Anlagen nur wenige Stunden im Jahr laufen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bezeichnet die Ausschreibung als großen Erfolg. Die Kraftwerksstrategie gehe damit von der Planung in die Umsetzung. Die Anlagen sollen Phasen mit wenig Wind und Sonne überbrücken und den Kohleausstieg absichern, der schrittweise bis 2038 erfolgen soll.
Was noch offen ist
Für Haushalte ist vor allem die Finanzierung von Belang. Die Umlage soll nach den Berichten ab 2031 erhoben werden, ihre Höhe steht nicht fest. Die Mitteilung der Bundesnetzagentur enthält dazu keine Angaben. Die EU-Kommission schätzt die Gesamtkosten des Kapazitätsmechanismus laut Denkstrom auf 15,6 bis 35,2 Milliarden Euro. Wie stark einzelne Haushalte belastet werden, lässt sich daraus nicht ableiten.
Geförderte Anlagen mit 15-jährigen Verträgen müssen bis 2045 klimaneutral sein, neue Gaskraftwerke müssen dem Bericht zufolge wasserstofffähig sein. Die erfolgreichen Bieter müssen bis zum 8. Dezember eine Sicherheit hinterlegen. Die Behörde bereitet bereits eine zweite Runde vor und will den nächsten Gebotstermin am 10. November bekannt geben. Parallel laufen nach ihren Angaben die Vorbereitungen für einen Kapazitätsmarkt.
Quellen
BundesnetzagenturGaskraftwerkeStrompreis
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