Produktsicherheit
Tattoo-Farben und Haushaltsprodukte: BfR legt neue Erkenntnisse zu Allergierisiken vor
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat erstmals gemessen, wie löslich Tattoo-Pigmente sind. Allergien gehen danach eher auf Begleitstoffe zurück. Für hautsensibilisierende Stoffe in Haushaltsprodukten sieht die Behörde kein allgemeines Risiko.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in dieser Woche zwei Bewertungen zu allergieauslösenden Stoffen in Verbraucherprodukten veröffentlicht. Am 8. Oktober 2026 stellte es eine neue Methode vor, mit der sich erstmals abschätzen lässt, wie löslich Tattoo-Pigmente im Körper sind. Am 9. Oktober folgte eine gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erstellte Datensammlung zu hautsensibilisierenden Stoffen in Gemischen wie Reinigungsmitteln, Raumdüften und Klebstoffen.
Warum die Löslichkeit entscheidet
Ob ein Tattoo-Pigment unerwünschte Reaktionen auslöst, hängt nach Darstellung des BfR wesentlich davon ab, wie viele einzelne Moleküle sich aus den Farbpartikeln lösen. Feste Partikel reagieren kaum mit Körperzellen. Gelöste Moleküle können sich dagegen frei bewegen, Erbgut oder Proteine schädigen und Allergien auslösen.
Für die neue Prüfmethode mischen die Wissenschaftler die Pigmente mit speziellen Lösungsmitteln, die auch aus schwer löslichen Partikeln kleinste Mengen herauslösen. Mit einem optischen Messverfahren, der UV/VIS-Spektroskopie, wird bestimmt, wie viele Moleküle freigesetzt werden. Über etablierte Modelle lassen sich die Werte auf Wasser, Körperflüssigkeiten und Zellen übertragen. So kann abgeschätzt werden, welche Mengen im Körper höchstens erreicht würden, auch wenn die Farbe über Jahrzehnte in der Haut verbleibt. Das Verfahren eignet sich laut BfR auch für andere schwer lösliche Stoffe. Die Studie ist in der Fachzeitschrift ACS Measurement Science Au erschienen.
Begleitstoffe statt Pigmente im Verdacht
Die meisten untersuchten Pigmente lösen sich kaum und setzen nur geringe Mengen einzelner Moleküle frei. Das könnte erklären, warum Allergietests auf Tattoo-Farben häufig negativ ausfallen. Als wahrscheinlichere Auslöser allergischer Reaktionen nennt das Institut Begleitstoffe, Verunreinigungen in Pigment oder Tinte sowie Abbauprodukte, die sich deutlich leichter lösen. Frühere Studien zeigten zudem, dass Sonnenlicht Pigmente in besser lösliche Moleküle zersetzen kann.
Eine Entwarnung im umfassenden Sinn ist das nicht. Geringe Löslichkeit bedeutet nach Angaben des BfR nicht, dass die Farbe am Einstichort bleibt. Ein Teil der Partikel ist so klein, dass Fresszellen sie aufnehmen und über die Lymphbahnen in benachbarte Lymphknoten transportieren, wo sie sich als feste Körnchen ablagern und die Knoten deutlich verfärben. Zahlenwerte zu einzelnen Pigmenten enthält die Mitteilung nicht.
Kein allgemeiner Regulierungsbedarf bei Haushaltsprodukten
Die zweite Bewertung ist im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH entstanden. BfR und die Bundesstelle für Chemikalien bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin untersuchten, ob hautsensibilisierende Stoffe in im Einzelhandel erhältlichen Gemischen ein Gesundheitsrisiko darstellen. Betrachtet wurden unter anderem Klebstoffe, Dichtungsmittel, Raumduftprodukte, Frostschutz- und Enteisungsmittel, Tinten und Toner, Polituren, Imprägniermittel sowie Wasch- und Reinigungsmittel. Grundlage waren Daten aus Regulierungsverfahren, Krankenkassen- und klinische Daten, Literatur und Fallstudien.
Ergebnis: Ein allgemeines Risiko, das eine Regulierung erfordert, sehen die Behörden nicht. Die gesammelten Daten sollen aber als Grundlage für weitere Untersuchungen oder Regelungen einzelner Stoffgruppen dienen. Als Beispiel nennt das BfR Epoxidharze. Der vollständige Bericht ist bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin abrufbar.
Quellen
AllergienBfRProduktsicherheitREACHTattoo
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