Schnellwarnsystem
Deutschland meldet mehr als 700 Lebensmittelrisiken an das EU-Schnellwarnsystem
Nach den Niederlanden hat Deutschland 2025 die meisten Meldungen in das europäische Schnellwarnsystem RASFF eingestellt. Das BVL verweist auf den Fall von Cereulid in Säuglingsnahrung.

Deutsche Behörden haben im vergangenen Jahr mehr als 700 Originalmeldungen in das europäische Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel (RASFF) eingestellt. Das teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am 17. September bei der Vorstellung seines Jahresberichts mit. Das entspricht rund 13 Prozent aller Meldungen im System. Mehr Meldungen kamen nur aus den Niederlanden mit 817. EU-weit zählte das System 2025 mehr als 5.300 Originalmeldungen und rund 18.000 Folgemeldungen.
Wie Risiken entdeckt werden
Deutschland war nach Angaben des BVL in 1.145 Meldungen als Empfängerland potenziell gesundheitsgefährdender Produkte aufgeführt. Die Auswertung der Meldungsquellen zeigt, dass amtliche Marktkontrollen mit 1.768 Fällen oder 33 Prozent den größten Anteil hatten. Es folgten Grenzkontrollen mit 1.650 Fällen (31 Prozent) und Eigenkontrollen der Unternehmen mit 1.446 Fällen (27 Prozent). Hinweise von Verbraucherinnen, Verbrauchern und anderen Hinweisgebenden führten in 341 Fällen zu einer Meldung, lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in 36 Fällen.
Der Fall Cereulid
Als Beispiel für die Funktion des Systems hebt das BVL einen Fall hervor, der Ende 2025 begann. Damals wurden erstmals Spuren von Cereulid in Säuglingsnahrung eines niederländischen Herstellers festgestellt. Cereulid ist ein hitzestabiles Toxin, das bestimmte Stämme des Bakteriums Bacillus cereus bilden. Es kann binnen weniger Stunden Übelkeit und Erbrechen auslösen und in seltenen Fällen lebensbedrohliche Vergiftungen verursachen.
Im Januar 2026 wurde nach Darstellung des Bundesamts ein kontaminiertes Arachidonsäure-Öl als Ursache ermittelt, das der Säuglingsnahrung zugesetzt worden war. Über das Schnellwarnsystem ließ sich ein gemeinsamer Lieferant in China identifizieren, wodurch auch Produkte anderer Hersteller und Empfänger weltweit in den Blick gerieten. Bis Mai 2026 umfasste der Vorgang mehr als 20 Originalmeldungen und rund 600 Folgemeldungen, an 13 davon war Deutschland beteiligt. Betroffene Produkte wurden in Deutschland über das Portal lebensmittelwarnung.de bekannt gemacht.
Warnportal mit wachsender Reichweite
Über dieses Portal informieren Länder und Bund die Öffentlichkeit über Rückrufe. Die zugehörige App, die seit dem Relaunch im Juni 2024 angeboten wird, hat nach Angaben des BVL vom 22. September inzwischen mehr als 400.000 Downloads erreicht. Seit dem Start des Portals im Jahr 2011 wurden dort 3.122 Warnungen veröffentlicht, 323 davon im Jahr 2025. Neu ist eine eigene Kategorie für Baby- und Kinderprodukte; Nutzer können Benachrichtigungen nach Produktgruppen und Warngründen filtern.
Einordnung
Das RASFF verbindet die Lebensmittelbehörden der EU-Mitgliedstaaten, der Kommission und weiterer europäischer Staaten. Eine hohe Zahl deutscher Meldungen ist nach der Logik des Systems kein Hinweis auf besonders unsichere Ware im Inland, sondern spiegelt vor allem die Kontrolldichte und die Bedeutung Deutschlands als Importland wider.
Quellen
BVLLebensmittelsicherheitRASFFSäuglingsnahrungSchnellwarnsystem
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz auf Grundlage der genannten Quellen erstellt. Mehr dazu in unseren Redaktionsgrundsätzen.



