Gesetzliche Rente
Renten könnten 2027 um 4,09 Prozent steigen, 2028 folgt ein höherer Beitragssatz
Der Entwurf des Rentenversicherungsberichts sieht für Juli 2027 ein deutliches Plus vor. Zugleich schrumpft die Rücklage, und der Beitragssatz soll 2028 von 18,6 auf 19,7 Prozent steigen.

Die gesetzlichen Renten könnten zum 1. Juli 2027 um 4,09 Prozent steigen. Mit diesem vorläufigen Wert rechnet das Bundesarbeitsministerium im Entwurf des Rentenversicherungsberichts 2026, den Minister Alexander Schweitzer (SPD) am Dienstag zur Abstimmung an die anderen Ressorts gegeben hat. Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und das Handelsblatt, dem der Entwurf ebenfalls vorliegt. Zuerst hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber berichtet. Betroffen sind mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner.
Rentenwert steigt auf 44,26 Euro
Der aktuelle Rentenwert würde nach den Zahlen des Entwurfs von 42,52 auf 44,26 Euro klettern. Für einen Standardrentner mit 45 Beitragsjahren ergäbe sich laut Reuters ein monatliches Plus von 78,30 Euro. Für 2027 unterstellt der Bericht eine Inflation von 3 Prozent, die Renten würden demnach stärker zulegen als die Preise.
Endgültig ist die Zahl nicht. Die Erhöhung wird erst im Frühjahr festgelegt, wenn die maßgeblichen Lohndaten vorliegen. Wie groß der Abstand zwischen Prognose und Ergebnis ausfallen kann, zeigt das laufende Jahr: Im Herbst 2025 waren für 2026 noch 3,73 Prozent erwartet worden, tatsächlich stiegen die Renten zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent.
Beitragssatz springt 2028 um mehr als einen Punkt
Die andere Seite der Rechnung tragen Beschäftigte und Arbeitgeber. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung bleibt nach dem Entwurf bis Ende 2027 bei 18,6 Prozent. Im Jahr 2028 soll er auf 19,7 Prozent steigen und bis 2030 voraussichtlich 20,0 Prozent erreichen.
Hintergrund ist die sinkende Nachhaltigkeitsrücklage. Sie lag Ende 2025 bei 41,4 Milliarden Euro und soll bis Ende 2026 auf 31,2 Milliarden Euro zurückgehen, was etwa einer Monatsausgabe entspricht. Für Ende 2027 nennt der Entwurf noch rund 12,1 Milliarden Euro. Ohne die Anhebung im Jahr 2028 fiele die Rücklage laut Reuters unter die gesetzliche Mindestgrenze.
Haltelinie kostet den Bund wachsende Milliardenbeträge
Das Rentenpaket 2025 sichert das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent eines Durchschnittslohns. Danach soll es dem Bericht zufolge bis 2040 auf 46,5 Prozent sinken. Die Kosten für die Haltelinie und die Mütterrente trägt der Bund aus Steuermitteln. Die Erstattungen allein für die Haltelinie wachsen nach den Berechnungen von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf 13,2 Milliarden Euro im Jahr 2031.
Der Bericht befindet sich noch in der Ressortabstimmung, einzelne Werte können sich also ändern. Reaktionen von Sozialverbänden, Gewerkschaften und Arbeitgebern auf den Entwurf sind den vorliegenden Berichten nicht zu entnehmen. Die Rentenanpassung selbst muss für bestehende Renten nicht beantragt werden. Sie wird per Verordnung festgesetzt, der der Bundesrat zustimmen muss. Alle genannten Beträge sind Bruttowerte, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Einkommensteuer können das Plus schmälern. Auf eine Monatsrente von 1.500 Euro entfielen bei 4,09 Prozent rechnerisch 61,35 Euro brutto.
Quellen
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