Krankenversicherung
Zusatzbeitrag 2027 offiziell bei 2,9 Prozent, Kassen sehen weiter Risiken
Das Bundesgesundheitsministerium hat den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz für 2027 auf 2,9 Prozent festgelegt. Was Versicherte tatsächlich zahlen, entscheidet jede Kasse selbst.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat am 30. Oktober 2026 den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung für 2027 auf 2,9 Prozent festgelegt. Grundlage ist die Prognose des GKV-Schätzerkreises vom 14. Oktober, dem Fachleute des Bundesamtes für Soziale Sicherung, des GKV-Spitzenverbandes und des Ministeriums angehören. Der Zusatzbeitrag wird auf den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent des Bruttolohns aufgeschlagen.
Ministerium sieht die Ausgabendynamik gebremst
Nach Darstellung des Ministeriums dürften die Ausgaben der Krankenkassen 2027 um weniger als 3 Prozent steigen, nachdem für 2026 mit einem Zuwachs von knapp 7 Prozent gerechnet wird. Seit 2024 waren die Ausgaben jeweils um knapp 8 Prozent im Jahr gewachsen, der ausgabendeckende Zusatzbeitragssatz stieg seit 2022 von 1,3 auf 2,9 Prozent. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) erklärte, diese Entwicklung sei nun gestoppt, nannte dies aber zugleich einen ersten Schritt. Mitte Oktober hatte er die Finanzlage der Kassen als weiterhin angespannt bezeichnet.
Tragendes Element ist das Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze, kurz GKV-BStabG. Es soll den Ausgabenzuwachs in allen Leistungsbereichen auf das Wachstum der beitragspflichtigen Einnahmen begrenzen. In der aktuellen Mitteilung beziffert das Ministerium die Entlastung der Kassen für 2027 auf bis zu 19 Milliarden Euro, Mitte Oktober war noch von bis zu 15 Milliarden Euro die Rede. Die im September 2025 eingesetzte FinanzKommission Gesundheit soll bis Ende 2026 weitere Vorschläge für Strukturreformen vorlegen.
Der Durchschnitt ist nur eine Orientierungsgröße
Der festgelegte Wert ist eine rechnerische Größe. Die tatsächliche Höhe bestimmt jede Krankenkasse für ihre Versicherten selbst. Nach Kassendaten, über die die Deutsche Presse-Agentur Mitte Oktober berichtete, lag der tatsächlich erhobene Zusatzbeitrag 2026 im Schnitt bei etwa 3,1 Prozent. Die Spanne reichte bei 93 Kassen von 2,18 bis 4,39 Prozent. Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Janosch Dahmen, erwartet auch für 2027 einen tatsächlichen Durchschnitt von mindestens 3,1 Prozent.
Kassen und Sozialverbände warnen vor Entwarnung
Der Chef des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, wertete die Prognose als Hinweis auf stabile Finanzen. Er verwies jedoch darauf, dass einzelne Kassen ihre Mindestreserve zum Jahresende noch nicht vollständig aufgefüllt hätten, woraus ein erhöhter Finanzbedarf entstehen könne. Als erhebliches finanzielles Risiko bezeichnete er die geplante Standortklausel, nach der Pharmaunternehmen ganz oder teilweise vom Herstellerabschlag auf patentgeschützte Arzneimittel befreit werden könnten. Die mögliche Belastung bezifferte er auf bis zu 1,3 Milliarden Euro.
Der Sozialverband VdK Baden-Württemberg hält eine Entwarnung ebenfalls für verfrüht. Sein Vorsitzender Hans-Josef Hotz kritisierte neben der Standortklausel die geplante Erhöhung der gesetzlichen Zuzahlungen um 50 Prozent.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit: BMG legt durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz auf 2,9 Prozent fest (30.10.2026)
- Bundesministerium für Gesundheit: Ergebnisse des GKV-Schätzerkreises (14.10.2026)
- Apotheken Umschau (dpa): Zusatzbeitrag 2027 bleibt bei 2,9 Prozent, doch Kassen warnen
- echo24: Krankenkassen-Beiträge 2027
KrankenkasseSchätzerkreisZusatzbeitrag
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz auf Grundlage der genannten Quellen erstellt. Mehr dazu in unseren Redaktionsgrundsätzen.



