Geldpolitik
EZB hält die Zinsen trotz 3,8 Prozent Inflation, Lagarde kündigt frühen Abschied an
Die Europäische Zentralbank lässt den Einlagensatz bei 2,5 Prozent, eine Erhöhung wurde beraten. Präsidentin Christine Lagarde will ihr Amt nach der Februar-Sitzung abgeben.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen am Donnerstag unverändert gelassen, obwohl die Inflation im Euroraum deutlich über dem Ziel liegt. Der Einlagensatz, zu dem Banken überschüssiges Geld bei der Notenbank parken, bleibt bei 2,50 Prozent. Der Satz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte liegt weiter bei 2,65 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent. Zugleich kündigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde an, ihr Amt vorzeitig abzugeben.
Energieschock treibt die Teuerung
Die Inflationsrate im Euroraum stieg nach Angaben der EZB im September auf 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Haupttreiber sind die Energiepreise, die binnen Jahresfrist um 18,9 Prozent zulegten. Diesel und Benzin erreichten neue Höchststände, auch wegen hoher Raffineriemargen. Ohne Energie gerechnet lag die Teuerung bei 2,3 Prozent, Dienstleistungen verteuerten sich um 3,2 Prozent.
Der EZB-Rat geht davon aus, dass die Inflation in den kommenden Quartalen deutlich über dem Zielwert von zwei Prozent bleibt. Der Energieschock wirke noch nicht vollständig, die zugrunde liegende Inflation sei bislang aber weitgehend stabil. Auch die Löhne hätten bisher nicht wesentlich reagiert. Die Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigtem wuchsen im zweiten Quartal um 3,3 Prozent und damit langsamer als zu Jahresbeginn. Größe und Dauer des Schocks sowie mögliche Zweitrundeneffekte dürften die Teuerung jedoch erhöhen und das Wachstum dämpfen, heißt es in der Erklärung.
Zinserhöhung beraten, aber vertagt
Nach Angaben Lagardes diskutierte der Rat über eine Anhebung der Zinsen. Er sei sich aber einig gewesen, dass er gut aufgestellt sei, um weitere Daten abzuwarten. Bis zur nächsten Sitzung im Dezember liegen unter anderem zwei weitere Inflationszahlen sowie Daten zu Wachstum, Beschäftigung und Löhnen vor. Im Dezember will die Notenbank zudem neue Projektionen veröffentlichen. Die Richtung sei recht klar, sofern sich die Einschätzung nicht grundlegend ändere, sagte Lagarde. Auf einen Zinspfad legt sich die EZB weiterhin nicht fest.
Die Finanzierungsbedingungen haben sich nach Einschätzung der Notenbank seit der vorigen Sitzung bereits verschärft. Die Marktzinsen stiegen, die Aktienkurse fielen. Die Zinsen für Wohnungsbaukredite erreichten im August 3,6 Prozent, die Nachfrage nach Hypothekendarlehen ging deutlich zurück. Banken legten zudem strengere Maßstäbe bei der Kreditvergabe an Unternehmen an. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sind seit dem Stichtag der September-Projektionen um etwa 35 Basispunkte gestiegen.
Lagarde geht nach der Februar-Sitzung
Lagarde erklärte auf der Pressekonferenz, sie werde ihr Amt nach der geldpolitischen Sitzung im Februar niederlegen. Ihre reguläre Amtszeit wäre im Oktober 2027 abgelaufen. Als Grund nannte sie den Wunsch, sich künftig auch zu Fragen jenseits der Geldpolitik frei äußern zu können. Das Verfahren zur Auswahl einer Nachfolge habe begonnen. Bis zu ihrem Ausscheiden bleibe sie uneingeschränkt im Amt.
Für Sparer und Kreditnehmer bedeutet die Entscheidung vorerst keine Veränderung bei den Leitzinsen. Die höheren Marktzinsen wirken sich nach Angaben der EZB allerdings bereits auf die Kosten von Immobilienfinanzierungen aus. Als Risiken für das Wachstum nennt die Notenbank unter anderem den Konflikt im Nahen Osten, den russischen Krieg gegen die Ukraine, mögliche Störungen der Gasversorgung und Handelskonflikte.
Quellen
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