CO2-Flottengrenzwerte
EU-Umweltausschuss stimmt für ein weicheres Verbrenner-Aus ab 2035
Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments will die CO2-Vorgaben für neue Autos und Transporter lockern. Verbindlich ist das noch nicht: Plenum, Rat und Trilog stehen aus.

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat am 4. November 2026 dafür gestimmt, die CO2-Vorgaben für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ab 2035 zu lockern. 48 Abgeordnete votierten für den Kompromiss, 30 dagegen, zwei enthielten sich. Grundlage ist der Vorschlag der EU-Kommission vom Dezember 2025 zur Überarbeitung der Flottengrenzwerte.
Was der Ausschuss vorschlägt
Nach geltendem Recht müssen die Hersteller die durchschnittlichen CO2-Emissionen ihrer Neuwagenflotte bis 2035 gegenüber 2021 um 100 Prozent senken. Nach dem Ausschusstext soll die tatsächliche Minderung bei Pkw bis auf 87,5 Prozent sinken können. Gutschriften für kohlenstoffarmen, in der EU produzierten Stahl sollen dabei bis zu 7,5 Prozentpunkte beitragen. Bis Ende 2034 dürfen solche Stahlgutschriften höchstens drei Prozentpunkte zur Zielerfüllung beisteuern.
Für leichte Nutzfahrzeuge sieht der Kompromiss für 2030 eine Minderung um 35 Prozent vor. Die Kommission hatte 40 Prozent vorgeschlagen, die geltenden Regeln verlangen 50 Prozent. Für 2035 soll das Ziel bei Transportern von 100 auf 80 Prozent sinken, ergänzt um Stahlgutschriften von bis zu 7,5 Prozentpunkten.
Hinzu kommen Anreize für Elektrofahrzeuge aus europäischer Produktion. Kleine Elektroautos bis 4,2 Meter Länge sollen in der Flottenbilanz als 1,4 Fahrzeuge zählen, besonders effiziente Modelle als 1,2. Bei Zulassung über Sozialleasing steigen die Faktoren auf 1,5 und 1,3. Elektrische Transporter aus EU-Produktion sollen bis Ende 2034 als 1,2 und ab 2035 als 1,4 Fahrzeuge gelten. Fahrzeuge, die ausschließlich mit erneuerbaren synthetischen Kraftstoffen betrieben werden, sollen als emissionsfrei zählen. Nach Darstellung von Fachmedien wären damit auch nach 2035 Neuzulassungen von Verbrennern und Hybriden möglich.
Befürworter und Kritiker
Der Berichterstatter Massimiliano Salini von der Europäischen Volkspartei bezeichnete die Einigung als Wendepunkt für die europäische Autoindustrie. Dekarbonisierung bedeute nicht, eine einzige Technologie vorzuschreiben. Ausgehandelt wurde der Kompromiss von Vertretern der EVP, der Sozialdemokraten und der liberalen Renew-Fraktion. Industrie- und Verkehrsausschuss hatten zuvor ebenfalls zugestimmt, der Industrieausschuss am 22. Oktober mit 49 zu 27 Stimmen bei fünf Enthaltungen, der Verkehrsausschuss mit 27 zu 18 Stimmen.
Im Umweltausschuss stimmten 30 Abgeordnete gegen die Lockerung. Die Forschungsorganisation ICCT hatte Ende Oktober eine Studie vorgelegt, wonach eine Abschwächung der CO2-Standards für Pkw Arbeitsplätze in Europa gefährde. Die Befürworter verweisen dagegen auf die Technologieoffenheit und die Lage der Hersteller.
Der weitere Weg
Geltendes Recht ist der Ausschusstext noch nicht. Das Plenum des Parlaments soll im Dezember 2026 über das Verhandlungsmandat abstimmen, dafür genügt die einfache Mehrheit. Anschließend müssen die Mitgliedstaaten im Rat eine gemeinsame Position finden. Nötig ist eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 15 Staaten, die zusammen mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung stellen. Danach verhandeln Parlament, Rat und Kommission im Trilog über die endgültige Fassung. Bis zu einer Einigung bleibt das bisherige Ziel einer vollständigen Minderung bis 2035 in Kraft.
Für Autokäufer in Deutschland hängt viel vom Ausgang ab. Er bestimmt, welche Antriebe nach 2035 als Neuwagen noch angeboten werden dürfen und in welchem Tempo die Hersteller ihr Angebot an Elektroautos ausbauen müssen.
Quellen
CO2-FlottengrenzwerteEuropäisches ParlamentVerbrenner-Aus
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