Versicherungsbranche
Versicherer trüben Ausblick ein, Kfz-Sparte rechnet mit fast sieben Prozent Beitragsplus
Die Stimmung in der Versicherungswirtschaft ist stabil, die Erwartungen sinken jedoch deutlich. In der Kfz-Versicherung hebt der Branchenverband seine Beitragsprognose für 2026 auf knapp sieben Prozent an.

Die deutschen Versicherer blicken zurückhaltender auf die kommenden Monate. Das geht aus dem jüngsten ifo-Konjunkturtest für die Versicherungswirtschaft hervor, den der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag, 8. Oktober 2026, veröffentlicht hat. Das Geschäftsklima der Branche liegt mit 7,9 Punkten nahezu auf dem Niveau des Vorquartals. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate sanken dagegen um 7,4 auf minus 7,0 Punkte.
Kfz-Versicherung stabilisiert, aber angespannt
Für Autofahrer ist vor allem die Entwicklung in der Kraftfahrtversicherung von Bedeutung. Dort hat sich das Geschäftsklima auf 22,3 Punkte verbessert. Der GDV hob seine Prognose für das Beitragswachstum der Sparte im Jahr 2026 auf ein Plus von knapp sieben Prozent an; im ersten Quartal war der Verband noch von 6,4 Prozent ausgegangen. Die erwartete Schaden-Kosten-Quote, die sogenannte Combined Ratio, beziffert der Verband auf rund 99 Prozent. Damit würden die Kfz-Versicherer versicherungstechnisch nur knapp im Gewinnbereich bleiben. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen beschrieb die wirtschaftliche Lage der Sparte als stabilisiert, aber weiterhin angespannt.
Schaden- und Unfallversicherer bleiben vorsichtig
In der Schaden- und Unfallversicherung insgesamt hellte sich die aktuelle Geschäftslage deutlich auf: Sie stieg um 26,5 auf 36,6 Punkte, das Geschäftsklima um 8,5 auf 11,0 Punkte. Die Erwartungen gaben jedoch um 7,1 auf minus 11,9 Punkte nach. Als Gründe nennt der Verband die anziehende Inflation und eine Normalisierung der Naturgefahrenbilanz. Die aktuelle Schadenlage verbesserte sich zwar um 14,1 auf minus 35,0 Punkte, die Schadenerwartungen bleiben mit minus 59,1 Punkten aber klar negativ.
Lebensversicherer setzen auf geförderte Vorsorge
Deutlich eingetrübt hat sich die Stimmung in der Lebensversicherung. Das Geschäftsklima fiel um 13,7 auf 0,6 Punkte, die Geschäftserwartungen brachen um 27,5 auf minus 17,2 Punkte ein, obwohl sich die aktuelle Lage leicht auf 20,0 Punkte verbesserte. Ein gegenläufiges Signal kommt aus dem Neugeschäft mit laufenden Beiträgen: Hier stiegen die Erwartungen um 26,0 auf 0,6 Punkte. Der GDV führt das auf den bevorstehenden Start der neuen geförderten Altersvorsorge und das höhere Zinsniveau zurück. Beim Neugeschäft gegen Einmalbeitrag fielen die Erwartungen dagegen um 8,8 auf minus 23,5 Punkte.
Asmussen bezeichnete die Versicherer als solide aufgestellt, verwies aber auf hohe wirtschaftliche Unsicherheit und ein schwaches Potenzialwachstum. Gesamtwirtschaftliche Entwicklungen erreichten die Branche häufig mit Verzögerung. Von der Bundesregierung verlangte er, ihren Reformkurs fortzusetzen.
Für den Konjunkturtest befragt das ifo Institut im Auftrag des GDV vierteljährlich rund 150 Versicherungsunternehmen aus verschiedenen Sparten zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Erwartungen für die folgenden sechs Monate. Das Geschäftsklima ergibt sich als geometrisches Mittel der Salden aus Lage und Erwartungen. Die Werte beruhen auf den Einschätzungen der befragten Unternehmen.
Quellen
GDVifoKfz-VersicherungLebensversicherungVersicherungsbeiträge
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