Wohngebäude
Naturgefahrenreport: Versicherer erwarten bis 2050 mindestens doppelte Klimaschäden
Der Versichererverband GDV legt seinen Naturgefahrenreport 2026 vor. Über 400.000 Wohngebäude liegen in besonders gefährdeten Gebieten, zugleich verteuern steigende Baupreise den Gebäudeschutz.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat am 9. Oktober 2026 seinen Naturgefahrenreport 2026 veröffentlicht. Die Versicherer gehen darin davon aus, dass sich die klimabedingten Schäden bis zum Jahr 2050 mindestens verdoppeln werden. Das vergangene Jahr bezeichnet der Verband mit versicherten Naturgefahrenschäden von rund zwei Milliarden Euro als vergleichsweise mild, betont aber, dass ein ruhiges Jahr kein geringeres Risiko bedeute.
Hunderttausende Gebäude in Risikolagen
Nach dem Bericht stehen in Deutschland mehr als 400.000 Wohngebäude in besonders gefährdeten Gebieten. Rund 330.000 Gebäude, etwa 1,5 Prozent des Bestands, liegen auf hochwassergefährdeten Flächen. Jedes Jahr kommen nach GDV-Angaben 1.500 bis 2.400 Neubauten in Hochrisikogebieten hinzu. Im Mittel- und Hochgebirge ist demnach etwa jedes siebte Gebäude durch Sturzfluten gefährdet. Die Zahl der Tage mit mehr als 30 Grad sei von etwa vier pro Jahr in den 1960er Jahren auf rund 22 im Sommer 2026 gestiegen.
Gegen Starkregen und Hochwasser sind laut dem begleitenden Datenservice bundesweit 59 Prozent der Gebäude versichert. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind erheblich:
- Baden-Württemberg: 94 Prozent
- Nordrhein-Westfalen: 65 Prozent
- Bayern: 52 Prozent
- Niedersachsen und Bremen: je 41 Prozent
- Mecklenburg-Vorpommern: 39 Prozent
Schäden im ersten Halbjahr unauffällig
Bereits Anfang September hatte der Verband eine Halbjahresbilanz vorgelegt. Danach verursachten Naturgefahren von Januar bis Juni 2026 versicherte Schäden von rund 950 Millionen Euro, genauso viel wie im Vorjahreszeitraum. Auf Sturm und Hagel in der Sachversicherung entfielen rund 400 Millionen Euro, auf Starkregen und Überschwemmung rund 200 Millionen Euro, doppelt so viel wie im ersten Halbjahr 2025. In der Kfz-Versicherung fielen rund 350 Millionen Euro an. GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen führte die geringe Summe vor allem auf ausgebliebene Winterstürme zurück und sprach von Glück. Im langjährigen Vergleich sind die Elementarschäden gestiegen: Im Zehnjahresmittel von 2000 bis 2009 lagen sie bei rund 1,4 Milliarden Euro, von 2016 bis 2025 bei rund 2,4 Milliarden Euro.
Baupreise als zweiter Kostentreiber
Für die Beiträge in der Wohngebäudeversicherung spielen neben den Naturgefahren die Baukosten eine wesentliche Rolle, weil sich die Versicherungssumme bei Neuwertverträgen an den Kosten für die Wiederherstellung eines Gebäudes orientiert. Das Statistische Bundesamt meldete für August 2026 einen Anstieg der Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Von 2010 bis 2025 stiegen die Baupreise für Wohngebäude nach Destatis-Angaben um rund 89 Prozent, die Verbraucherpreise um rund 38 Prozent. Den weitaus größten Teil des Schadenaufwands in der Wohngebäudeversicherung verursachen nach dem GDV-Datenservice Feuer, Leitungswasser und sonstige Gefahren mit zusammen 88 Prozent, auf Sturm und Hagel entfielen 2025 rund acht, auf Elementarschäden rund vier Prozent.
Einordnung
Der GDV verbindet seinen Bericht mit der Forderung nach mehr Prävention, etwa strengeren Regeln für das Bauen in Risikogebieten und einer Gefährdungsbeurteilung bei Baugenehmigungen. Er verweist darauf, dass Hochwasserschutzmaßnahmen nach Schätzungen des Rückversicherers Swiss Re je nach Maßnahme ein Vielfaches ihrer Kosten an Schäden vermeiden können. Parallel arbeitet die Bundesregierung an einer Neuregelung des Elementarschutzes in der Wohngebäudeversicherung, deren Eckpunkte noch nicht veröffentlicht sind.
Quellen
BaupreiseGDVKlimawandelNaturgefahrenWohngebäudeversicherung
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