Gesundheitsausgaben
Krankheitskosten steigen 2024 auf 528,5 Milliarden Euro
Die direkten Krankheitskosten sind 2024 um 7,6 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte entfällt auf Menschen ab 65 Jahren, an der Spitze stehen Herz-Kreislauf- und psychische Erkrankungen.

Die direkten Krankheitskosten in Deutschland sind im Jahr 2024 deutlich gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom 8. Oktober 2026 summierten sie sich auf 528,5 Milliarden Euro. Das sind 37,5 Milliarden Euro oder 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Je Einwohnerin und Einwohner entfielen rechnerisch 6.330 Euro auf Behandlung, Prävention, Rehabilitation und Pflege, 430 Euro mehr als 2023.
Herz-Kreislauf und Psyche an der Spitze
Den größten Anteil verursachten Krankheiten des Kreislaufsystems mit 69,4 Milliarden Euro beziehungsweise 13,1 Prozent der Gesamtkosten. Fast gleichauf lagen psychische und Verhaltensstörungen, zu denen die Statistik auch Demenzerkrankungen zählt, mit 68,7 Milliarden Euro oder 13,0 Prozent. Es folgen Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 54,3 Milliarden Euro, Krankheiten des Verdauungssystems mit 53,7 Milliarden Euro und Neubildungen einschließlich Krebs mit 52,1 Milliarden Euro. Auf diese fünf Krankheitsgruppen entfallen seit 2015 zusammen konstant 55 bis 56 Prozent der Kosten.
Mehr als die Hälfte entfällt auf Ältere
Die Kosten steigen mit dem Lebensalter deutlich. Für Menschen ab 65 Jahren wurden 284,3 Milliarden Euro aufgewendet, 53,8 Prozent der Gesamtsumme. Pro Kopf waren es in dieser Altersgruppe 15.080 Euro. Am niedrigsten lagen die Kosten bei den 15- bis 29-Jährigen mit 2.390 Euro, Kinder unter 15 Jahren kamen auf 2.620 Euro. Zwischen 30 und 44 Jahren waren es 3.130 Euro, zwischen 45 und 64 Jahren 5.590 Euro. Bei den 65- bis 84-Jährigen stieg der Wert auf 12.300 Euro, bei Hochbetagten ab 85 Jahren auf 30.150 Euro.
Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Für Frauen ermittelte das Bundesamt Kosten von 6.960 Euro je Kopf, für Männer 5.680 Euro. Die Differenz von 1.280 Euro erklärt die Behörde vor allem mit der höheren Lebenserwartung von Frauen und ihrem größeren Anteil an den älteren Jahrgängen. Von den rund 2,9 Millionen Menschen ab 85 Jahren waren 65 Prozent Frauen. Hinzu kommen geschlechtsspezifische Erkrankungen sowie Kosten im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.
Auch die Schwerpunkte unterscheiden sich. Bei Frauen verursachten psychische und Verhaltensstörungen mit 990 Euro je Kopf die höchsten Kosten, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 840 Euro. Bei Männern standen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 860 Euro an erster Stelle, psychische Störungen folgten mit 650 Euro. Damit lagen die Pro-Kopf-Kosten für psychische Erkrankungen bei Frauen etwa anderthalbmal so hoch wie bei Männern.
Was die Zahlen nicht abbilden
Die Krankheitskostenrechnung erfasst ausschließlich direkte Kosten, also Ausgaben, die unmittelbar mit einer medizinischen Heilbehandlung, einer Präventions-, Rehabilitations- oder Pflegemaßnahme verbunden sind. Indirekte Folgen wie krankheitsbedingte Arbeitsausfälle bleiben unberücksichtigt. Die gesamte volkswirtschaftliche Belastung durch Krankheiten ist daher höher als die ausgewiesene Summe. Nach Angaben von Destatis sind die Ergebnisse für 2024 gut mit denen der Jahre 2023, 2020 und 2015 vergleichbar.
Die Statistik beschreibt die Ausgabenseite des Gesundheitswesens und macht sichtbar, welches Gewicht Alterung und chronische Erkrankungen dort inzwischen haben. Unmittelbare Aussagen über künftige Beitragssätze in der Kranken- und Pflegeversicherung lassen sich aus ihr allerdings nicht ableiten, da sie sich auf das Jahr 2024 bezieht und sämtliche Kostenträger umfasst.
Bundesverbraucherhilfe fordert mehr Transparenz
„Die Zahlen zeigen, mit welcher Dynamik die Ausgaben im Gesundheitswesen wachsen. Am Ende tragen das die Versicherten über ihre Beiträge und die Pflegehaushalte über ihre Eigenanteile“, sagte Ricardo Dietl, Präsident der Bundesverbraucherhilfe e. V. „Wer steigende Kosten an die Menschen weitergibt, muss offenlegen, wofür das Geld verwendet wird. Wir brauchen eine verständliche und vergleichbare Darstellung, wie sich Zusatzbeiträge und Eigenanteile zusammensetzen.“
Quellen
DemografieDestatisGesundheitswesenKrankheitskostenPflege
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