Insolvenzstatistik
Firmenpleiten steigen im Juli um acht Prozent, Privatinsolvenzen gehen zurück
Die Amtsgerichte meldeten im Juli 2.373 Unternehmensinsolvenzen, 8,0 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank dagegen um 5,9 Prozent.

Die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im Juli 2026 erneut deutlich gestiegen. Die Amtsgerichte meldeten 2.373 Anträge, 8,0 Prozent mehr als im Juli 2025, wie das Statistische Bundesamt am Freitag, dem 9. Oktober, mitteilte. Bei den Verbraucherinsolvenzen zeigt sich ein anderes Bild: Ihre Zahl sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,9 Prozent auf 7.111.
Seit Jahresbeginn fast sieben Prozent mehr Firmenpleiten
Von Januar bis Juli zählten die Statistiker 15.185 Unternehmensinsolvenzen und damit 6,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Forderungen der Gläubiger summierten sich auf rund 21,9 Milliarden Euro, nach rund 31,8 Milliarden Euro in den ersten sieben Monaten 2025. Den Rückgang trotz höherer Fallzahlen erklärt das Bundesamt damit, dass im Vorjahr mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten.
Bezogen auf den Unternehmensbestand ergaben sich im Berichtszeitraum 42,8 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Am stärksten betroffen war der Bereich Verkehr und Lagerei mit 85,5 Fällen je 10.000 Unternehmen, gefolgt vom Gastgewerbe mit 70,0 und dem Baugewerbe mit 62,9 Fällen. Grundlage dieser Quote ist das statistische Unternehmensregister. Als Unternehmen zählen dort rechtliche Einheiten, also etwa Aktiengesellschaften, GmbHs, offene Handelsgesellschaften und Einzelunternehmen. Einzelunternehmen fließen damit ebenso in die Quote ein wie Kapitalgesellschaften.
Privatinsolvenzen auf Vorjahresniveau
Bei den Verbraucherinsolvenzen ist die Bilanz für das laufende Jahr nahezu ausgeglichen. Von Januar bis Juli wurden 46.043 Verfahren gezählt, 1,0 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang im Juli steht damit einem leichten Anstieg über die ersten sieben Monate gegenüber. Eine Verbraucherinsolvenz beantragen Privatpersonen, die ihre Schulden dauerhaft nicht mehr bedienen können. Am Ende des Verfahrens steht in der Regel die Befreiung von den verbliebenen Verbindlichkeiten.
Statistik mit Verzögerung
Die Zahlen bilden die wirtschaftliche Lage nur mit Zeitverzug ab. Anträge gehen erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik ein, der eigentliche Antrag liegt nach Angaben des Bundesamtes häufig rund drei Monate früher. Die Juli-Daten spiegeln damit zu einem erheblichen Teil Entwicklungen aus dem Frühjahr wider. Zudem erfasst die Statistik nur Geschäftsaufgaben im Rahmen eines Insolvenzverfahrens. Unternehmen, die aus anderen Gründen oder vor dem Eintritt akuter Zahlungsschwierigkeiten aufgeben, tauchen darin nicht auf.
Für Beschäftigte, Kunden und Lieferanten haben Unternehmensinsolvenzen unmittelbare Folgen, etwa bei offenen Lohnforderungen, geleisteten Anzahlungen oder Gewährleistungsansprüchen. Mit Verkehr, Gastgewerbe und Bau sind zudem Branchen überdurchschnittlich betroffen, mit denen private Haushalte im Alltag direkt in Berührung kommen.
Quellen
DestatisInsolvenzenSchuldenUnternehmenVerbraucherinsolvenz
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