Konjunktur
Bundesbank: Wirtschaft tritt auf der Stelle, Inflation dürfte Anfang 2027 steigen
Die Bundesbank rechnet für das dritte Quartal mit Stagnation. Die Teuerung bleibt nach ihrer Einschätzung hoch und dürfte zum Jahreswechsel durch höhere Zuzahlungen und das Ende des Tankrabatts weiter anziehen.

Die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2026 stagniert hat. Das geht aus dem am Mittwoch, 21. Oktober, veröffentlichten Monatsbericht für Oktober hervor. Nach einem deutlichen Zuwachs im ersten Halbjahr sei die Erholung vorübergehend unterbrochen worden. Für die Verbraucherpreise erwartet die Notenbank vorerst keine Entspannung und für den Beginn des kommenden Jahres sogar einen merklichen Anstieg der Inflationsrate.
Niedrigwasser, Tankrabatt und schwacher Export
Als Gründe für die Stagnation nennt die Bundesbank überwiegend vorübergehende Faktoren: die niedrigen Pegel des Rheins, die den Gütertransport erschwerten, das Auslaufen von Wettbewerbsvorteilen gegenüber ausländischen Konkurrenten sowie Sondereffekte rund um den Tankrabatt. Die Industrieproduktion stieg im August zwar um 2,0 Prozent zum Vormonat, lag aber deutlich unter dem Niveau des Vorquartals. Der Auftragseingang brach im August um 10,6 Prozent ein, vor allem wegen schwankender Großaufträge. Die Warenexporte gingen erneut merklich zurück.
Vom privaten Konsum kamen nach Einschätzung der Notenbank kaum Impulse. Die realen Einzelhandelsumsätze zogen im August zwar wieder an, blieben aber deutlich hinter dem zweiten Quartal zurück. Belastend wirkten die hohen Energiepreise und die Sondereffekte des Tankrabatts, gestützt wurde die Nachfrage durch mehr Pkw-Zulassungen. Am Arbeitsmarkt sank die Zahl der Erwerbstätigen im August saisonbereinigt um 29.000 auf 45,62 Millionen. Die Arbeitslosigkeit stieg im September um 12.000 auf 3,01 Millionen, die Quote blieb bei 6,4 Prozent. Die Frühindikatoren deuten nach Darstellung der Bundesbank darauf hin, dass sich der Stellenabbau verlangsamt.
Teuerung bleibt erhöht
Die nach europäischer Methode berechnete Inflationsrate stieg im September auf 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im August und erreichte damit den höchsten Stand seit Ende 2023. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel ging leicht auf 2,5 Prozent zurück. Die Einfuhrpreise lagen 8,3 Prozent, die Erzeugerpreise 6,7 Prozent über dem Vorjahr.
Treiber bleibt die Energie. Ein Barrel der Sorte Brent kostete im Oktober bislang durchschnittlich 126 US-Dollar, Erdgas lag bei durchschnittlich 82 Euro je Megawattstunde und damit mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Die Bundesbank führt den breiten Preisanstieg vor allem auf den Nahost-Konflikt zurück. Zunehmend zeigten sich indirekte Effekte bei Industriegütern, Dienstleistungen und Nahrungsmitteln. Anfang 2027 dürfte die Inflation nach Einschätzung der Notenbank spürbar zulegen, vor allem wegen der Gesundheitsreform mit höheren Zuzahlungen und des Auslaufens des bis Dezember befristeten Tankrabatts. Ein Spritpreisdeckel könnte je nach Ausgestaltung dämpfend wirken.
Hoffnung auf das Schlussquartal
Für das vierte Quartal rechnet die Bundesbank wieder mit spürbarem Wachstum. Die ifo-Indikatoren zur Lage und zu den Geschäftsaussichten hatten sich im September verbessert, die Exporterwartungen blieben positiv. Die Notenbank verweist zugleich auf erhebliche Risiken: Je länger der Ölpreisschock anhalte und je stärker andere Energiepreise stiegen, desto größer sei die Gefahr stärkerer Zweitrundeneffekte und einer höheren Inflation. Die erste amtliche Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal will das Statistische Bundesamt am 30. Oktober vorlegen. Zuvor veröffentlicht das ifo Institut am 26. Oktober sein Geschäftsklima für Oktober; im September war der Index auf 89,9 Punkte gestiegen, nach 88,8 Punkten im August.
Quellen
BundesbankEnergiepreiseInflationKonjunkturTankrabatt
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